Skitour Mt Baker – subject: baker questions

Über die Südroute als Tagestour auf einen der schönsten Berge der USA.

Vorgedanken

> Subject: baker questions

> Date: Wed, 8 Aug 2012 19:17:16 -0700

Me: Just a quick question about the Baker trip: Right now the plan is to drive there on Friday, bivy in front of the cars, summit Baker on Saturday and be back in Van Saturday night, right?

Lawrence: Correct : )

Mt Baker ist mein Lieblingsberg. Keine Ahnung warum. Vermutlich weil er noch aus einigen hundert Kilometer Entfernung zu sehen ist und seine Form aus der Ferne einfach perfekt erscheint. Dabei handelt es sich auch noch um einen Vulkan und je nach Jahr, um das Gebiet mit dem meisten Schneefall weltweit. Im Winter, bei wenig Tageslicht, benötigt die Normalroute mit Ski auf den Berg zwei Tage. Ideal der Vorschlag, das Erreichen des Gipfels im August über den Squak Glacier aus südlicher Richtung an einem Tag zu versuchen.

Mitten auf dem Squak Glacier
Mitten auf dem Squak Glacier

Anfahrt und Tourstart

Ein Vorteil an Touren in der Gegend NW Pacific ist neben den Bergen die Nähe zum Ozean. Als ich in Berlin gewohnt habe, hatte ich in der ersten Zeit Alpträume wegen der fehlenden Berge. Die Gegend um Berlin ist ganz hübsch und einen Besuch wert, wenn man menschenleere Gegenden mag. Am nördlichen Pazifik hat man beides. Wilde, menschleere Strände, Wälder und Berge. Hier ist mir der Wasserkreislauf zum ersten Mal bewusst vor Augen getreten: Wasser aus dem Ozean regnet sich an den Bergen ab, wird als Schneefeld konserviert und fließt in reißenden Strömen wieder zurück ins Meer. Wir sitzen am Strand und teilen unser Abendessen, während wir am vereinbarten Treffpunkt auf den Rest der Gruppe warten. Da unsere kleine Gruppe aus einem Farmer und zwei Büromenschen besteht, sprechen wir über die aktuelle Linsenernte, ausbleibende Pay-cheques und Wladiwostok. Das Nachtlager schlagen wir nahe Schriebers Meadow auf. Ich schlafe auf der Ladefläche eines Pick-Ups und komme mir vor wie Colt Seavers. Der Sternenhimmel hier ist ziemlich überwältigend und rutscht auf meiner Liste der besten Nachthimmel, noch vor den, den ich vom Chorinsee in der Schorfheide kenne, auf Platz eins der Liste. Endlich eingeschlafen, muss ich auch schon wieder aufstehen. Um vier Uhr morgens ist der Start der Tour und ich trabe die ersten 800 Höhenmeter schlaftrunken den Lichtern vor mir hinterher. Mit der Dämmerung erreichen wir die ersten Schneefelder des Gletschers und lassen unsere Schuhe im Wald zurück.

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Die ersten Meter auf dem Gletscher bei Sonnenaufgang, der Blick schweift Richtung Sherman Peak, Mt Shuksan ist am Horizont

Ein Ausläufer des Massivs Mt Shuksans verdeckt die aufgehende Sonne und das Morgenlicht strahlt auf den Bergrücken, über welchen wir aufgestiegen sind. Bei Mt Shuksan muss ich an die Geschichte eines tschechischen Bergsteigers denken, die mir mal jemand erzählt hat. Dummerweise weiß ich weder den Namen des Bergsteigers, noch ob die Geschichte wahr ist. Aber sie ist schön: In Tschechien, damals vermutlich Tschechoslowakei, sah er auf einem Kalender das Foto eines Berges und das Bild dieses Berges ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er wusste aber nicht den Namen des Berges. Der Bergsteiger reiste dann um die Welt und als er in den Cascades in Washington unterwegs war, stand er vor dem Berg des Fotos. Dieser Berg war Mt Shuksan. Vielleicht mag ich die Geschichte auch nur, weil ich mit Skitouren in Tschechien begonnen habe. Nun in den Cascades unterwegs zu sein ist eine schöne Steigerung zum Riesengebirge.

Hin zum Gipfel

Die verbleibenden sechs Stunden zum Gipfel verlaufen erstaunlich reibungslos und mit sommerlicher Leichtigkeit. Mühe machen uns der schnelle Gewinn an Höhe und der gefrorene Schnee zu Beginn. Mit zunehmender Erwärmung ist der Schnee jedoch so nass, dass ich meine Felle mit Duct tape fixieren muss. Duct tape ist eines der wichtigsten Tools kanadischer Handwerkskunst. Lawrence hat sich so für diese Tour aus seinem Skistock und seiner Eisaxt einen Whippet (Anm.: Skistock mit Eishauhe am Griff) gebaut.

Beindruckend ist die bizarre Kulisse des Gletschers bei strahlend blauem Himmel und die Fernsicht – neben Mt Shuksan können wir Mt Rainier und die Olympic Mountains sehen.

Nicht vereiste Pisten, schaukelnde Gondeln oder ganz schlimm: Aprés Ski und der ganze Zirkus. Nein, man gelangt einfach an Orte die nur umständlich zu Fuß zu erreichen sind und hat im besten Fall noch eine Menge Spaß bergab. Dafür verzichte ich auch gern auf Powder und Germknödel und fahre Crud und esse Trailmix.

Angekommen

Der letzte Abschnitt vor dem Gipfel ist die Roman Wall, welche wir auf Steigeisen zurücklegen. Die Gipfelrast lässt sich mit einem Tag am Strand vergleichen – wir liegen eine Stunde in der Sonne und genießen die Aussicht. In der Ferne lässt sich der Pazifik erahnen.

Nachdem wir wieder Sherman Crater passiert haben, ist der Schnee perfekt für die Abfahrt. Vorher ist er eher kurzwellig und hart mit Schwefelkruste. Typisch kanadisch ist auch der Tipp, sich im Falle des Einbrechens einer Spaltenbrücke auf das gegenüberliegende Ende zu konzentrieren. Mit diesem guten Ratschlag im Kopf genieße ich die Abfahrt in Shorts und fühle mich wie auf Wasserski. Sollte ich jemals ernsthaft Wasserski fahren, bin ich vermutlich ziemlich enttäuscht.

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